Archiv der Kategorie 'Daily Life'

21
Dez
09

Mona und die liebe Ataxie

Die Multiple Sklerose kann es mit sich bringen, dass man gelegentlich ein bisschen schwankt. Manchmal schwankt man sogar ein bisschen stärker und gelegentlich könnte man den Eindruck gewinnen, dass der MS-Kranke stockbesoffen ist. Nun, dem wird in den seltensten Fällen wirklich so sein.

Um der Schwankerei etwas entgegen zu wirken, gibt es eine sehr schicke Therapie. Sie nennt sich “Hippotherapie”. Jawoll…ich dachte erst auch: Hippo-wieviel??? Um Himmels Willen, was haben den Flusspferde mit dieser Krankheit zu tun? Hippo?? Ääähh…

Es stellte sich heraus, dass Hippotherapie nix anderes ist, als Pferdchenreiten in Begleitung einer Physiotherapeutin und einem Pferdeführer. Und so eine Therapie ist jedes mal der Hammer. Man muss sich nämlich vorstellen: Vor der Therapie kann ich jeweils nur wenige Sekunden auf einem Bein stehen – nach der Therapie stehe ich wie eine Eiche auf einem Bein. Das ist sehr, sehr cool! Ja, und meine Heldin in der ganzen Sache ist Mona. Mona ist eine Freibergerin mit einem sagenhaften Gemüt. Ich finde Mona toll!

Wer gerne einmal ausprobieren möchte, wie sich das Leben mit MS anfühlt, dem sei folgender Link empfohlen:

Bitte auf “Symptome nachempfinden” klicken

Sehstörungen, Tremor (Schlottern) und die Ataxie (Gangunsicherheit) sind auf dieser Seite in etwa wiedergegeben. Die Sehstörungen kenne ich nur zu gut – diese haben schlussendlich auch zur Diagnose geführt. Der Tremor ist inzwischen ein Freund, auf den Verlass ist. Bin ich müde oder habe ich mir zuviel aufgeladen, schlottere ich ein bisschen vor mich her. Auch in solchen Momenten kanns schon mal vorkommen, dass man von fürsorglichen Mitmenschen auf den persönlichen Alkoholkonsum angesprochen wird… Ja, und zu guter Letzt meine Königsdisziplin: Hardcore Schwanken-Schunkeln-Torkeln :-D

15
Dez
09

Facebook

Facebook kann toll sein, muss es aber nicht. Man meldet sich da also an, arbeitet sein Profil durch, wendet sich an seine Real-Life-Freunde und baut so seine eigene, sehr persönliche Cyber-Space-Community auf. Und dann passiert es:

Eine Freundschaftsanfrage von einer Person, die man in seinem Leben zwei Mal gesprochen hat, die man im Grunde doof wie ein Stück trockenes Brot findet, mit der man keine Gemeinsamkeiten hat und die man hie und da auf der Strasse von weitem sieht, wird an dich gerichtet. Und dann? Lehnst du die Freundschaftsanfrage ab, dann weisst du, dass die Person nun auch dich so doof wie ein Maiskolben findet? Oder bestätigst du diese Anfrage und hast dafür eine Vollbaracke von Mensch in deiner Community?

Okay, einige Menschen auf Facebook scheinen das Ziel zu verfolgen, so schnell als möglich die grösste Community bilden zu können. Es scheint dann auch nicht zu stören, dass jeder Vollspacken das persönliche Profil lesen kann und zum Teil ausgesprochen persönliche Dinge in Erfahrung bringen könnte. Okay, baut man seine Freundesliste in Lichtgeschwindigkeitstempo aus, scheint man auch nicht uuuunbedingt ein introvertierter Mensch zu sein. Das Leben wird in den Cyber-Space ausgekotzt und gut ist. Jeder darf am Leben teilhaben – Jeder! Immer! Auch wenns peinlich wird!!

Ähm…wie ignoriert man eine Spacken-Freundschaftsanfrage ohne den dritten Weltkrieg auszulösen? Ich will nicht jedes Kotzgesicht in meinem Facebook-Freundeskreis haben….Uuuuuuuhhhhhh….

14
Dez
09

Neosensli

Ein Stöckchen wandert durch die Blogs. Ja, man soll Fotos ins Netz stellen, welche den Autoren im Kindesalter zeigt. Nunja, was kann ich da anbieten? Die Story zum Bild ist diese, dass auch meine Schwester beim Fotografen war. Sie war die ganze Zeit stinkesauer, ich hingegen hab als kleiner Knopf mein Käferfest gefeiert und soll angeblich ununterbrochen gegluckst und gelacht haben. Als der Fotograf dann die Linse auf uns richtete, war mein Lachen verschwunden, wohingegen meine Schwester den netten Herrn mit einem sooooooooooooooo breiten Grinsen bediente. Als die Fotosession zu Ende war, schmollte Schwesterchen wieder und ich hab wieder gegluckst und “gigelet” (“gigele” = Schweizerdeutsch für Baby-/Kinderlachen).

09
Nov
09

DIE Röhre!

Ich weiss, es ist ein tolles Gerät. Ich weiss, es hilft vielen Menschen. Ich weiss, dass das Teil auch mir dienlich ist. Ich weiss aber auch, dass ich das Ding aus vollem Herzen hasse!

Es war wieder einmal soweit: Die Wortfindungsstörung war halt doch schon etwas ausgeprägter, die letzte Monats-Infusion hatte mächtige Nebenwirkungen und mein Neurologe hatte deshalb die goldige Idee, mich wieder einmal in einen Magnetresonanztomographen zu stecken. Einmal mehr bin ich 45 Minuten vor der Untersuchung in der Radiologie aufgeschlagen und hab um eine Leck-mich-am-A****-Tablette gebettelt. Und jawoll, mein Gejammere war wohl so herzergreifend, dass ich diesmal sogar die GROSSE Lutschtablette bekommen hab. Entsprechend weich und schludrig durfte ich mich dann auf die Liege hauen.

Ja…und was dann kommt, ist trotz Beruhigungsmittel ein Graus. Erst wird der Kopf mit einem Band an den Schragen getackert. Dann wird ein Gitter in einem Abstand von 1.5 cm zum Gesicht über den Schädel gestülpt und das Ding rastet dann irgendwo auch noch ein. Ja, und dann wird man in diese beschi****-kleine Röhre geschoben…bis ganz nach hinten…weit weg vom Rest der Welt…und das Ganze dauert 45 Minuten…und dabei soll man RUHIG bleiben! HA! Das ist ja wohl ein Scherz?!?!?!

Nach jeder Untersuchung bin ich fix und alle und ja, ich hab in der Radiologie schon ein “Mehr-Untersuchungs-Abonnement” gelöst (12 Untersuchungen für den Preis von 10..oder so). Noch blöder als diese doofe MRI-Untersuchung ist aber dann die Besprechung mit dem Neuro…Hach jo, was der wieder zu erzählen hat, will ich im Grunde gar nicht wissen. Wenn er morgen anruft, werde ich einfach nicht hinhören…

30
Okt
09

Happy

…Birthday tooo meeee, happy Birthdayy tooo meeee, happy Birthday, liebe Neeeosens, haaaappyy Birthday tooo meee!…

Mei, ich glaub, ich bin beschwippst….Egal! Heben wir das Glas auf die nächsten 36 Jahre…….*glugg glugg glugg*…..

23
Okt
09

Adieu?

Sie sitzt auf dem Bett. Die Wände des Zimmers sind schneeweiss, an einer Wand hängt ein kleines, schlichtes Kreuz. Über dem Kopfende des Bettes sind viele Schalter, Steckdosen und Knöpfe angebracht. Die Neonröhre beleutet das Zimmer grell und kalt. Alles ist sehr steril, sauber, aufgeräumt. Sie sitzt da, eingesunken in der grossen Bettdecke. Ihre Beine sind so furchtbar dünn, ihre dürren Ärmchen sind verstochen und ihre Haut sieht aus wie Wachs. Überhaupt, ich erkenne sie fast nicht mehr.

Noch vor ein paar wenigen Wochen war sie die stolze Brautmutter. Sie trug damals ein sandbraunes, gekrepptes Kleid mit einem grossen, schokobraunen Schaal. Ihre Haare waren wunderbar frisiert, das Make-Up überdeckte ihre fahle Haut. Sie war so stolz auf ihre Tochter und sie hat den ganzen Tag tapfer gekämpft. Keiner sollte an diesem Tag erfahren, dass die Kräfte nach 6 Jahren Kampf weniger wurden. Sie hat getanzt, gelacht und ihrer Tochter einen wunderschönen Tag beschert.

Und nun sitzt sie in diesem Krankenhausbett, klein, blass und so furchtbar krank. Ein Onkologe und ein Chirurg steht neben ihr am Bett. Der Chirurg erzählt von einer Operation, von Gefahren, von Lebenserwartungen, Überlebenschancen…

Warum können Menschen nicht einfach in Frieden alt werden und dann, an einem guten Tag, schmerzfrei sterben? Warum gibt es Krankheiten? Doch nicht etwa, damit man “Lebenserfahrung” sammeln kann, damit man an “Grösse” gewinnt.. Wer sowas behauptet, weiss nicht, was Todesangst bedeutet – so jemand weiss nicht, was “Gier nach Leben” wirklich ist.

Ihre Tochter hält ihre Hand und weint. Sie sitzt da und muss hören, dass sie bald nicht mehr sein wird…




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