Archiv der Kategorie 'Dr Schwizzer Egge'

19
Dez
09

Jeder Rappen zählt!

Wie verrückt ist das denn? Da lassen sich drei Radio-Moderatoren/innen vor dem Bundeshaus in Bern in einen Glaskasten stecken und moderieren eine Woche durch. Während dieser Woche werden dann auch tausend Aktionen und Auktionen durchgeführt und die Kohle, die gesammelt wird, kommt den Menschen in Malariagebieten zu Gute.

Diese Aktion ist deshalb so verrückt, weil in der Schweiz ein richtiger Hipe ausgebrochen ist. Roger Federer versteigert sein Tennisracket vom Australien Open, Didier Couche bietet seine Dienste als Skilehrer an, ein Schweizerbob-Team bietet eine Bobbahn an, Alex Frei versteigert ein National-Dress mit Unterschrift, eine Bundesrätin bietet einen Aufenthalt in einer Botschaft in Afrika an, Novartis offeriert dem Meistbietenden ein Reischen nach Tansania…

Jo, und die Moderatoren geben Vollgas. Die beiden Jungs und das Mädel sind seit Montag in der Box, schlafen pro Nacht nicht mehr als 3 – 4 Stunden, moderieren sonst immer durch, verzichten aus Solidarität auf feste Nahrung und in einem Land mit gerade mal 7.5 Mio. Einwohnern wurde innerhalb der letzten paar Tage nicht ganz 3.5 Mio. Franken gespendet – und dazu werden noch die Auktionen kommen, die jetzt noch am laufen sind.

Gestört!

Jeder Rappen zählt

Auktionen zu “Jeder Rappen zählt”

18
Dez
09

Bligg

Jawoll, in der Schweiz gibt es eine Musikszene. Und diese Musikszene wird zur Zeit von diesem Song beherrscht:

Rosalie

Ich mag das Liedchen und jaaa, will man den Text verstehen, sollte man zwei, drei Wörtchen Schweizerdeutsch verstehen :-)

*sing*….”rosalie, die rose isch für di, mi amor, du gsehsch so truurig us als wär öpper gstorbe…wie cha das si, ä hüpschi frau mit auge wie du, so ganz elei amne sunntig morge”…*sing*

30
Nov
09

Zwischen Himmel und Erde

Sonntag Morgen, pervers früh, alles ist noch dunkel und wir ziehen uns die wärmsten Klamotten über. Im Anschluss hockt sich unser Körper in die Karre während der Geist noch tief am Schlummern ist. Kurz nach 06.00 Uhr treffen wir beim Zwergenbahnhof “Interlaken Ost” ein. Da steigen wir in eine steinalte Bahn, mit Holzbänken und Netzchen-Gepäckhalter ein.

Die Fahrt durch Wälder und über Wiesen ist hübsch. Man fährt an einem Basislager der Rega vorbei, sieht am Waldrand einen steil angelegten Friedhof und irgendwann kommt man in einem Bahnhöfchen an.

In Wengen (DEM Wengen, wo das Lauberhornrennen stattfindet) steigen wir in ein noch älteres Bähnchen um. Pure Nostalgie spürt man hier. So müssen Oma und Opa in jungen Jahren gereist sein. Oder war es vielleicht sogar Ur-Oma und Ur-Opa? Es ist noch alles so, wie anno dazumal. Alles ruckelt, alles quitscht – einfach schön.

Wir tuckern mit dem Züglein immerzu berghoch. Die Aussicht ist fantastisch und plötzlich ist sie da. Gross! Grau! Imposant! Die Eiger Nordwand!!!

Auf der kleinen Scheidegg legen wir eine kleine Pause ein. Jaaa, der Körper muss sich langsam an die dünner werdende Luft gewöhnen. Bis die Jungfraubahn losfährt, vertreibt man sich die Zeit mit der Verarschung der lieben Gäste aus Japan und China (Hemmungsloses ins Foto hüpfen und dabei das Victory-Zeichen in die Photolinse des überraschten Asiaten drücken ist im Moment sehr angesagt).

Dann gehts los. Die Jungfraubahn tuckert los. Von der Nostalgie erkennt man in dieser Bahn nix mehr. Alles ist modern, auf Flatscreens wird man mit vielen Infos zum Bau der Jungfraubahn bedient und vor den Zwischenstopps erzählt das Männchen im Lautsprecher in allen möglichen Sprachen extrem wichtige Wichtigkeiten. Ja, und dann kommt eben der erste Zwischenstopp. Man befindet sich mitten in der Eiger Nordwand, gafft mit den lieben Freunden aus Asien aus einem Fenster und bestaunt die Höhe, das Steile, das Vereiste und einmal mehr die Aussicht.

Das Fährtchen geht weiter und dann ist man da: Top of Europe! Die Luft hier ist tatsächlich etwas dünner als in meiner Heimatstadt. Wir alle keuchen ein bisschen und ich glaube gesehen zu haben, dass der eine oder andere Chinese Grün im Gesicht ist. Wir dackeln direkt zum Eispalast. Jawoll, der Eispalast ist ein ins ewige Eis gearbeiteter Pfad. Wir befinden uns mitten in einem Gletscher und ich will gar nicht wissen, wieviele Kubik Eis sich über meinem Kopf noch befinden.

Nach dem Eispalast sollte es dann soweit sein: Es ist Zeit für einen kleinen Walk auf der Jungfrau. Hier könnte man nun erzählen, wie toll die Aussicht ist und wie fantastisch das Wetter war. Aber was bringen hier schon Worte….

Eben, die Aussicht war phänomenal und der Aletschgletscher bettete sich wunderbar zwischen den Bergen ein. Einfach Hammer! Galaktisch! Umwerfend! Boah…

Nach einem kleinen Walk quer über den Gletscher war noch ein Trip zur Sphinx angezeigt. Die Spinx ist eine Forschungsstation auf der Jungfrau. Wer sich über Atmosphärenforschung mit Laser informieren möchte, soll sich bei der Forschungsstation melden. LIDAR-Systems oder ein SAOZ-Spektrometer gehören wohl zu den Maschinchen, die so einen Forschungsstationsmitarbeiter endlos glücklich machen und über die wohl auch endlos diskutiert wird…

Die Sphinx selber ist ein hübscher Bau, welcher auf einem Eisengitter umgeben ist. Auf diesem Gitter kann man rund um das Gebäude dackeln – und wer unter Höhenangst leidet, kann zwischen den Gitterstäben ins Tal kotzen!

Tja…und immer ist man schön am keuchen…die liebe Luft.

Nach ein paar Stunden verabschiedet man sich dann von den Bergen, der dünnen Luft, dem Schnee, den Husky-Hunden, den “Eingeborenen”, dem Top of Europe und man geht zurück ins Flachland. Da ist alles wieder Grün, die Luft ist schön dicke, alternde Muttis tragen ihre Yorkshire-Terrier in Täschchen herum, Kinder streiten sich wegen jedem Scheiss und Erwachsene benehmen sich keinen Deut besser. Hmm…Ich komme zum Schluss: Ein Ausflug auf die Jungfrau würde jedem Menschen gut tun!

26
Okt
09

Das kleine Quiz – Auflösung

Geschätzte Damen, geschätzte Herren

Die Beteiligung an diesem kleinen Quiz ist fulminant. Ich bin ganz aus dem Häuschen… Und damit jeder heute Abend noch ein paar Schweizer Wörtli und deren Bedeutung lernen kann, mach ich mich jetzt an die Auflösung:

  1. Ghüderchübel
    - “Ghüder” wäre also der Abfall und der “Chübel” ist ein Eimer = Abfalleimer.
    Spezielle Kühe heissen einfach “Kühe” und ein Sattel heisst einfach “Sattel”! Na, ist doch gar nicht so schwierig?!
  2. glette
    - “glette” bedeutet soviel wie “glatt machen”, also bügeln.
    Es stimmt natürlich, dass man auch beim Rasieren etwas glatt macht, nur interessiert das sie Schweizer nicht so sehr. Und weiss der Geier, wie ich auf die Eisfläche in einem Stadion gekommen bin…
  3. Gigetschi
    - ein “Gigetschi” (in manchen Gegenden auch “Gürbschi” genannt) ist nichts anderes als das Kerngehäuse eines Apfels.
    Mädchen und Skis haben rein gar nix mit dem Kerngehäuse des Apfels zu tun..naja..das hoff ich jetzt mal :-)
  4. Cheib
    - ein Kerl! Nix anderes. Okay, der “Cheib” ist ein etwas durchtriebener Mann und so ein “Cheib” hat ä bissi was anrüchiges.
    Der Körper eines jungen Menschen hat nichts mit einem “Cheib” zu tun, darf inzwischen aber hemmungslos “Presswurst” genannt werden und ein bestimmtes Gewürz für Rösti gibt es nicht (Okay, Muskat ist okay, Pfeffer, Salz, Dings und Dongs…man kann alles über die Rösti hauen).
  5. Gumpe
    - Hüpfen! “Der Cheib hüfpte auf dem Ghüderchübel herum”! Ist das nicht toll? Schon ein ganzer, vollverständlicher Satz in Schweizerdeutsch!!!
    Putzschwämme sind bei uns übrigens Putzschwämme und die Bauern-True habe ich nur genommen, weil ich vom Laptop aus den freien Blick auf eine True hatte!
  6. lisme
    - nein, das hat nichts mit auFräumen zu tun, auch nicht mit fotografieren, JA, wenn wir Schweizer “lismen”, dann stricken wir!
  7. Anke
    - “Anke” ist fettig, gelblich, gibts im Block und ist im Grunde nix anderes als Butter.
    Die Stelle, wo Haus- und Nutztiere angebunden werden heisst “Dingsdongs” und der Militärstützpunkt ist mir sowas von egal – habe in der Schweizer Armee nie gedient und werde da auch nie dienen!
  8. äxgüsi
    - excusez-moi / excuse-moi / excuses-moi…naja, einfach Sorry!
    Mit dem Einkauf hat das gerade mal soviel zu tun, dass man ja immer wieder Leute anrempelt, wenn man sich auf den Wühltisch wirft. Da ist so ein “äxgüsi” nicht fehl am Platz. Tja, und die Karre einparken heisst bei uns “parkieren” (Jawoll, “parkieren”! Nicht “parken”!!)!
  9. Büsi
    - Die Katze/der Kater! Miau!!!
    Okay, im Grunde könnte aus einem Büsi eine Delikatesse aus Fleisch und Kräutern werden (wird in abgelegenen Schweizer Tälern sicher so sein), aber daran wollen wir jetzt mal nicht denken! Tja, und Wolle? Ich hab keinen Schimmer, wie ich auf Wolle gekommen bin…
  10. Grüessech
    - Begrüssung im Raum Bern, Fribourg, Solothurn. Sagt man in dieser Gegend “Grüezi” hat man sich schon als Ausländer geoutet. Und ja, hier wird geihrzt, nicht gesiezt!
    Eben, und im Raum Zürich und in der Ostschweiz wird man von einem eiskalten “Grüezi” begrüsst. Grausam, dieser Zürcher und Ostschweizerdialekt! Ja, und der Baggersee? Haben wir sowas in der Schweiz überhaupt?….
  11. Goof
    - Das liebe Kind ist dann ein “Goof”, wenn es Mist angestellt hat und es sich affig benimmt – also immer!
    Das stoffüberzogene Knöpfchen ist halt einfach ein Knopf und der Brunnen auf einem Bauernhof nenne wir “Brunnen”! Na, das ist spektakulär, hm?!
  12. i Usgang goh
    - ja, wir gehen aus und sagen dazu “Ich gehe in den Ausgang”! Das hat ja schon was von Knaststimmung, oder nicht?
    Etwas anders, als satt den Tisch zu verlassen, gibts in der Schweiz nicht. Ach was, hier ist man nicht nur satt, hier rollt man vom Tisch weg…
  13. poschte
    - Tricky…tricky…”poschte” bedeutet nichts anderes als “einkaufen”.
    Briefe werden verschickt und das mit der Post und mit Getränken wird angestossen, wobei man sich zuprostet.

Nun, wie sieht denn die Rangliste der Teilnehmer aus?

Platz 7 mit 0 Punkten haben erreicht: Werner Berghofer  und Elbenno
Platz 6 mit 2 Punkten : Pampashase
Platz 5 und mit 5 Punkten schon ganz gut: Windowsbunny
Platz 4 mit ordentlichen 7 Punkten (und meine persönliche Heroin): Quadratmeter
Platz 3 mit fantastischen 8 Punkten teilen sich: Wortman und Frau Sterntau
Platz 2 mit sagenhaften 9 Punkten und wahrscheinlich Halbschweizer: Katja und Dr. Borstel

And se Winner wis eleven Points is:
Madameklutze!!!

AAAPLAAAUS..APPLAUUSS APPLAAAUS APPPLAAUUUSS….!!!! Darauf einen Campari Soda

25
Okt
09

Wortschatz – das kleine Quiz

Wir sitzen zu sechst am Tisch und essen, wie sich das bei DEM Wetter gehört, ein Raclette. Beim Tischnachbar im Teller hat sich durch die Silberzwiebeln, Gürkchen, Ananas und dem Sauerrahm ein hübsches Pfützli gebildet. Und dann sagt er – der Tischnachbar – es: “Chasch du mir dr Mürgu gäh?” *. Mürgu? Schon klar, dass es sich bei diesem Wort um den Anschnitt eines Brotes handelt. Aber warum spricht der Tischnachbar vom “Mürgu”? Bei uns heisst das Teil doch “Aahau”?!…

Die Dialektvielfalt in der Schweiz ist ja abartig. Hier kann es gut und gerne vorkommen, dass schon im Nachbardorf ein anderer Dialekt, ja, sogar eine andere Sprache gesprochen wird. Wegen der vier Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Romanisch) hat sich der Schweizer auch einen etwas breiteren Wortschatz angelegt. Locker und leicht benutzt der Deutschschweizer in der schweizerdeutschen Sprache französische Wörtli. So wird also aus dem französischen “rhume” ein schweizerdeutsches “Rühme”. Ja, und jeder Schweizer weiss, dass es sich beim Wort “Rühme” um nix anders als um “Schnupfen” handelt.

Wie muss also diese Sprache für Deutsche und Österreicher klingen? Haben unsere Nachbarn überhaupt eine Möglichkeit, unser Geschwafel zu verstehen? Ich bin ja überzeugt, dass gerade die nun folgenden Wörtli für Nicht-Schweizer kaum zu verstehen sind. Es darf jeder mal raten, worum es sich bei den Wörtern handeln könnte:

  1. Ghüderchübel
    - spezielle Art von Kühen
    - Abfalleimer
    - Sattel für Pferde
  2. glette
    - bügeln
    - rasieren
    - Eisfläche im Stadion / Eishalle
  3. Gigetschi
    - Mädchen
    - Skis
    - Korngehäuse eines Apfels
  4. Cheib
    - Körper eines jungen Menschen
    - Gewürz, womit die Rösti gewürzt wird
    - ein Kerl
  5. Gumpe
    - Putzschwämme
    - Hüpfen
    - alte Bauern-True
  6. lisme
    - fotografieren
    - stricken
    - auräumen
  7. Anke
    - militärischer Stützpunkt
    - Butter
    - Stelle, an welcher Haus- und Nutztiere angebunden / -gekettet werden
  8. äxgüsi
    - entschuldigung
    - einkaufen
    - das Auto einparken
  9. Büsi
    - spezielle Wolle
    - Delikatesse aus Fleisch und Kräutern
    - Katze
  10. Grüessech
    - Begrüssung, benutzt in Zürich und Ostschweiz
    - Baggersee
    - Begrüssung im Raum Bern, Fribourg, Solothurn
  11. Goof
    - mit Stoff überzogener Knopf
    - Kind
    - Bauernhof-Brunnen
  12. i Usang goh
    - im Gefängnis einsitzen
    - Ausgehen
    - satt den Tisch verlassen
  13. poschte
    - einkaufen
    - Briefe verschicken
    - mit Getränk anstossen

Die Auflösung wird folgen :-)

* “Chasch du mir dr Mürgu gäh” = “Kannst du mir den Brotanschnitt geben”

20
Okt
09

Schwizzerdütsch

Ist das immer peinlich: Als Schweizerin kann man einfach nicht vernünftig und gepflegt deutsch sprechen. Ne, es klingt einfach immer, als hätte der Eidgenosse eine Rasierklinge verschluckt. Grausam ist das – grausam peinlich! Denn der Speichel schlunzt nur so aus dem Mundwinkeln, die Zunge hängt dick und träge aus dem Mund und das Geröhre wird der deutsche Nachbar (in der Schweiz ja generell einfach “Schwabe” genannt) niemals verstehen.

Dies ist dann auch der Grund, warum ich hier die “Schweizer Ecke” einrichte (auf Schweizerdeutsch: Dr Schwizzer Egge). Jawoll, Deutschland muss bekehrt und über seinen kleinen Nachbarn aufgeklärt werden. Und was gibts hierzu zu sagen?

Eine infame Lüge ist und bleibt die Behauptung, Schweizer seien langsam! Oder wie lange braucht ihr, bis ihr den Ortsnamen “Mittleres Schattegibeleggtäli” ausgesprochen habt? Hä? Also…!!!




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