Mit einer chronischen Krankheit zu leben ist ja schon ziemlich bescheiden. Wenn dann aber noch der behandelnde Arzt schwächelt, wirds richtig aufregend.
Nachdem im Mai 08 die Diagnose MS gestellt war wurde mir ans Herz gelegt, eine so genannte Basis-Therapie in Angriff zu nehmen. Einige Medikamente wurden mir vorgestellt und schlussendlich habe ich mich für ein Mittelchen entschieden, welches drei Mal pro Woche gespritzt werden musste.
Das Sich-selber-spritzen brauchte im ersten Moment schon ein wenig Überwindung. Irgendwann aber haute man sich die Nadel ins Fleisch, drückte ab und das wars. Mary-Sue war über die Spritzerei nicht so erfreut. Aus diesem Grund muckte sie 6 Wochen nach Therapiebeginn ordentlich auf. Meine rechte Körperhälfte wackelte, zappelte und war für nichts zu gebrauchen. Organe, welche man in jungen Jahren gelernt hat zu kontrollieren, spielten verrückt und die Müdigkeit, die ich nach diesem Happening verspürte, war einfach unbeschreiblich. Resultat dieses Schubes war ein erneuter Besuch beim Neurologen und eine erneute Einnahme von Kortison.
Kortison ist in dieser Situation ja was wunderbares. Dass man von diesem Mittel aber einen knallroten Kopf bekommt, man nachts nicht schlafen kann und man ununterbrochen fressen könnte (mit Essen hat das nix mehr zu tun), erwähne ich hier nicht.
Ja, und ab August 08 war mir übel. Glücklicherweise hatte ich im September 08 einen weiteren Schub, so, dass ich wieder einmal bei meinen Docs zu Besuch war. Der goldige Hausarzt kam dann auf die lustige Idee, doch einfach mal mein Blut zu untersuchen. Naja, so hysterisch wie der Doc beim Vorlesen der Resultate war, hab ich ihn noch nie erlebt. Okay, die Situation war auch nicht mehr lustig, denn meine Leberwerte waren auf mehr als das 10fache angestiegen. Dies erklärte dann auch meine Übelkeit.
Wie sich dann herausstellte, hatte mein Neurologe über die Zeit von 5 Monate vollkommen vergessen mein Blut zu untersuchen und die Verträglichkeit auf das gespritzte Mittel zu testen. Die Monate September 08 bis März 09 streiche ich besser aus meinem Gedächnis. In dieser Zeit stiegen die Leberwerte nämlich bis auf das 70fache der Norm-Werte an, keiner wusste so richtig, ob ich noch Weihnachten feiern würde, jeder Tag durfte damit gerechnet werden, dass es zu einem Organversagen kommt…Es war BÄÄÄHH!
Zur Entlastung der Leber inzwischen gezwungenermassen medikamentenfrei und zu den Lebenden zurückgekehrt wurde mir eine Reha aufs Auge gedrückt. Und in den vier Wochen Reha sagte Mary-Sue mal wieder Hallöööchen… Tja, ohne Anti-MS-Medikament gehts offenbar auch nicht.
Die Lage ist inzwischen so, dass ich die Hepatopathie überstanden habe, dass ich an Stelle der Spritzen eine monatliche, 3’000.00 Kröten teure Infusion bekomme, ich seit April 09 keinen weiteren Schub hatte (Ole ole oleee) und der Neuro verklagt ist. Und ja, wenn ich fit bin, bin ich ein sehr bissiges Tierchen……Rooooaaarrrr…..

